Eduard Bargheer
Forio (verso mit einem Aquarell: Scirocco)
Um 1965
Aquarell auf Bütten
32 x 43,5 cm
Die Leidenschaft für das Licht, die Eduard Bargheer schon als jungen Mann in Hamburg packt und ihn in den Süden treibt, lassen Italien und später Afrika zu seinen Sehnsuchtsorten werden.
In den 1960er Jahren, als seine Malerei bereits auf dem Höhepunkt ist, werden seine Aquarelle zu einer wahren „Farb-Licht-Malerei“, intensiv und doch voller Leichtigkeit und Transparenz. Der Einfluß des gleißenden Lichts des Südens ist in unserer von Licht und Buntfarbigkeit geprägten Ansicht Forios deutlich spürbar. Die im Golf von Neapel gelegene Insel Ischia und der attraktive Küstenort taucht in vielen Variationen der Bargheer'schen Aquarellkunst auf, erkennbar an den angedeuteten zinnenbekrönten Wachtürmen (Torrioni), den pastellbunten Häuserwürfeln und der prägnanten kuppelbekrönten Kirche San Gaetano. Diese Strukturen verwebt er mit abstrakten Ornamenten, Formen und Farbflächen zu einem faszinierenden Bildteppich, immer im spannungsreichen Verhältnis zwischen Abstraktion und äußerer Wirklichkeit sich bewegend.
Verso (ursprünglich wohl vom Künstler als Vorderseite gedacht) befindet sich bei Bargheer oft eine weitere Bildidee bzw. ein zweites vollgültiges Aquarell – ohnehin sein Lieblingsmedium –, in unserem Fall abermals Forio, diesmal bei abendlicher Stimmung während des heißen Sahara-Windes, des sog. "Scirocco".
Eduard Bargheer
Landschaft
1967
Aquarell auf genarbtem Bütten
21,3 x 32 cm
Unsere „Landschaft“ scheint in ihrer Leichtigkeit und Transparenz die Formen aus Licht zu gestalten: die zarten Farbfelder gehen hier vorsichtige Verbindungen ein, sind dort von ausgesparten Papierflächen und -stegen luftig durchbrochen. Die Landschaft wird in einem abstrahierten Formengewebe auf das Papier gebannt, wobei die Atmosphäre des erlebten Augenblicks eine Steigerung zu erfahren scheint.
Eduard Bargheer
Ruinen am Meer
1965
Aquarell auf Bütten
32,3 x 43,5 cm
In den 1960er Jahren entdeckt Bargheer Afrika, das ihn künstlerisch in seinen Bann zieht. Auf insgesamt sieben Reisen gewinnt Bargheer intensive Sinneseindrücke und wertvolle Einblicke in eine fremde Welt.
Auf diesem Hintergrund ist auch dieses zarte und in nahezu monochromen braun-grünen Tönen gehaltene Aquarell entstanden.
Die transparenten Farben, die an einigen Stellen frei fließen, werden mit kubische Strukturen, Punkten und vegetabilen Formen zu einem unverwechselbaren Bargheer’schen Mosaik zusammengefügt. Der Künstler entfacht dabei einen unverwechselbaren Rhythmus und Farbklang, der die südliche Atmosphäre zu atmen scheint und seine Liebe zum Mediterranen eindrucksvoll schildert. Diesmal erreicht Bargheer bereits ein hohes Maß an Abstraktion – einzig der Titel erinnert an das ursprüngliche Motiv und Seherlebnis des Künstlers.
Eduard Bargheer
Stilleben mit zwei Blumensträußen
1948
Aquarell auf Bütten (mit Wasserzeichen: 'Ingres')
48 x 62,5 cm
Bereits während der Kriegsjahre in Florenz, als Eduard Bargheer in der "Pensione Bandini" Unterschlupf findet, bringt eine Reihe von Fensterbildern bzw. Blumenstilleben mit Blick auf Florenz Lebensfreude und den künstlerischen Neubeginn zum Ausdruck. 1946/47 wird dann Ischia Bargheers bevorzugter Aufenthaltsort, er lebt fortan ständig auf der Insel, wird Ehrenbürger Forios und baut sich dort ein Haus an der Via Roma.
Eine besondere Kraft, Aufbruchstimmung und ungeheure Dynamik entfacht unser Motiv, das an die Reihe der Florentiner Stilleben in Formauffassung und Motivik anknüpft. Zwei ganz unterschiedliche Blumensträuße sind vor einem geöffneten Fenster platziert, man erkennt noch wage die hölzernen Fensterblenden. Die Komposition ist derart abstrahiert und jeglicher Perspektive bzw. Ordnung beraubt, bildprägend sind allein die Naturkräfte, Lichtreflexe, Farbtönungen und ein einzigartiger, leuchtender Farbrhythmus.
Das Aquarell versprüht par excellence das gesteigerte südliche „Licht-Erlebnis“ als treibende Kraft seiner Kunst. Das Licht ist zum „Dämon geworden, der eine völlig neue Welt erstehen ließ […]“, schreibt Bargheer 1953. Diese poetische und zugleich intensive, vielschichtige Arbeit, zu der es aus demselben Jahr eine Art Pendant mit sehr ähnlicher Komposition gibt, gehört zu den bedeutenden Werken, die das Ende von Bargheers Sezessionsstil der 1930er Jahre und den Übergang zu den abstrakten Werken der 1950er Jahre sichtbar machen.
Eduard Bargheer
Forio I
1959
Aquarell auf weichem Bütten (mit Wasserzeichen)
22,5 x 32,5 cm
Die Faszination für den Süden zieht sich wie ein roter Faden durch das künstlerische Schaffen Eduard Bargheers. Namentlich die im Golf von Neapel gelegene Insel Ischia und der Küstenort "Forio" wird sein ganz persönlicher Sehnsuchtsort, der sein künstlerisches Schaffen nachhaltig prägt. Das Licht des Südens, das Meer, die elementare Formenwelt der Vegetation und die von Bergen und Tälern zerklüftete der Landschaft geben dem Künstler immer wieder Anlaß für neue Bildschöpfungen – und so erklärt sich auch der Titel "Forio I", denn es gibt viele Variationen dieses Motivs.
Bargheer, fast fünfzigjährig, findet um 1950 seinen reifen Stil. In diesen Jahren werden seine Werke zunehmend abstrakter, wie unser Bild zeigt. Das Aquarell scheint in seiner Leichtigkeit und Transparenz die Formen aus Licht zu gestalten: die zarten Farbfelder gehen hier vorsichtige Verbindungen ein, sind dort von ausgesparten Papierflächen und -stegen luftig durchbrochen. Die Stadtlandschaft und Ansicht der Stadt Forio auf Ischia mit den angedeuteten Kuben und Dächerformen der Häuser wird in einem abstrahierten Formengewebe auf das Papier gebannt, wobei die Atmosphäre des erlebten Augenblicks eine Steigerung zu erfahren scheint.
Eduard Bargheer
Landschaft mit Schlucht
1959
Aquarell auf Bütten
31 x 48,4 cm
Wie sehr Eduard Bargheer von der Natur stimuliert wird, beweist unser vielschichtiges Blatt. Bargheer ist bereits seit den 1950er Jahren zum sog. "reifen" Stil gelangt und stellt im Jahr der Entstehung unseres Aquarells zum zweiten Mal auf der documenta in Kassel aus.
Dem Titel entsprechend greift er das Phänomen der Räumlichkeit in dieser Arbeit zwar auf, doch ist dem Künstler wie in all seinen Aquarellen mehr an der flächenhaften Struktur des Bildes gelegen. Die Dimensionen von Raum, Gegenstand und Licht schmelzen in einem kohärenten Zusammenspiel aus luftigen Farbfeldern, Mustern und Strichbahnen zusammen. Motive können sich nur leicht erahnen lassen, wage Assoziationen werden beim Betrachter entfacht. Doch die zarten, flüssig aufgetragenen Wasserfarben befreien und lösen das Gedachte wieder auf. Bargheer schenkt uns seinen lyrischen Blick auf die tatsächlich gesehene Landschaft mit einer "Schlucht", bereichert um eine metaphysische Dimension.