Godela mit aufgestütztem Arm
Schleuse in Norditalien
Zwei Hunde

Gretel Haas-Gerber

Godela mit aufgestütztem Arm

1952
Öl auf Hartfaserplatte
43,5 x 31,2 cm


Die vorliegende Arbeit ist im online-Werkverzeichnis unter der Nummer: '301-44' sowie '0104G' (RW-Nr.) verzeichnet.

Bereits in ihrer frühen Schaffenszeit gilt das Interesse der Offenburger Künstlerin Gretel Haas-Gerber dem Inneren und Äußeren des Menschen und ihren Typen. Die zurückhaltende Expressionistin zeigt in ihrem Nachkriegswerk das ihr Blick trotz einer grundsätzlich realistischen und ungeschönten Widergabe der Wirklichkeit stets den Dargestellten verpflichtet ist, die sie mit Wertschätzung und Empathie studiert.
Nach einer langen Unterbrechung kontinuierlichen künstlerischen Arbeitens durch politische Einflußnahme seitens der Nationalsozialisten, durch familiäre Umstände und durch den Krieg, versucht Gretel Haas-Gerber in den 1950er Jahren einen Neuanfang. Unbeirrt von vorherrschenden informellen Tendenzen, hält die Künstlerin an gegenständlichen Darstellungen fest, Menschen und Landschaften sind ihre bevorzugten Motive. Dabei entstehen eine Reihe von Familienportraits, zu der auch unser Bild der „Godela“ gehört.
Haas-Gerber rückt die Portraitierte, ihre zweite Tochter, nahe an den Betrachter heran, verzichtet auf Beiwerk und erreicht mit ihrer typisch zurückhaltenden Palette aus lichten Pastelltönen eine Unmittelbarkeit und Lebendigkeit. Godela ist – wie viele der Portraitierten Haas-Gerbers – in der klassischen Denkerpose bzw. Körperhaltung des auf den Arm gestützen Kopfes gezeigt. Dies erinnert an ein kunsthistorisch reizvolles und beliebtes Kompositionsschema bzw. den Topos der Dürer’schen „Melencolia“, wo es um u.a. Selbstreflexion und den nach Erkenntnis strebenden Künstler geht.

Gretel Haas-Gerber offenbart hier ihre Qualitäten als nüchterne, einfühlsame Beobachterin der Realität. Ihre Portraits der Nachkriegszeit sind durchdrungen von Menschlichkeit und Tiefe und haben nichts an Aktualität und Qualität eingebüßt.

Gretel Haas-Gerber

Schleuse in Norditalien

1963
Acryl auf Papier, auf Hartfaserplatte aufgezogen
33,5 x 51 cm


Die vorliegende Arbeit ist im online-Werkverzeichnis unter der Nummer: '320-28' und dem Titel "Zugbrücke mit Angler in Holland" verzeichnet sowie auf "um 1960-68" datiert.

Nach einer langen Unterbrechung kontinuierlichen künstlerischen Arbeitens durch politische Einflußnahme seitens der Nationalsozialisten, durch familiäre Umstände und durch den Krieg, versucht Gretel Haas-Gerber in den 1950er Jahren einen Neuanfang. Unbeirrt von vorherrschenden informellen Tendenzen, hält die Künstlerin an gegenständlichen Darstellungen fest, Menschen und Landschaften sind ihre bevorzugten Motive. In den 1920er Jahren noch stilistisch geprägt von Neuer Sachlichkeit und Expressionismus, sieht sie in den 1950/60er Jahren erstmals Originale von Matisse, Cézanne, Gaugin oder Van Gogh, deren Malweise und Farbigkeit sie bewundert.
In unserer wunderbar unprätenziösen, pastellfarbenen Papierarbeit einer Schleuse in Oberitalien, zeigen sich diese französischen Einflüsse und Haas-Gerbers frische alla prima Malerei. Farbflächen beginnen sich aufzulösen und zu verselbständigen, wobei der Papiergrund an einigen Stellen durchkommt. So scheint Haas-Gerber sich nicht nur die südliche Erscheinungs- und Formenwelt anzueignen, sondern auch den flächig-linearen, ornamentalen Malstil und Duktus der französischen Moderne.

Gretel Haas-Gerber

Zwei Hunde

Um 1927
Öl auf Nessel, auf Leinwand aufgezogen (doubliert)
50,5 x 37,5 cm


Die vorliegende Arbeit ist im online-Werkverzeichnis unter der Nummer: '300-17' sowie '0386G' (RW-Nr.) verzeichnet.

Der Hund ist des Menschen bester Freund, das wußte schon Voltaire. Um die Jahrhundertwende sind Kurzhaardackel äußerst beliebt: Liebermann malt seinen schlafend im Lehnstuhl, Kaiser Wilhem läßt für seinen geliebten Erdmann eigens eine Gedenkstätte errichten. Auch Gretel Haas-Gerber malt ihren Dackel 1927 noch an der Münchner Akademie. Ihm gesellt sie einen Gefährten dazu, einen weißen Terrier (auch eine sehr beliebte Rasse Anfang des 19. Jahrhunderts). Sie faßt sie sehr modern, mit raschem Pinselstrich, artig auf dem samtgrünen Französischen Sofa.

Über Gretel Haas-Gerber

Geboren: 1903 in Offenburg
Gestorben: 1998 in Offenburg

Gretel Haas-Gerber gehört zu jener Künstlergeneration, die zwischen die Zeiten geriet. Das Frühwerk entfaltet sich nach dem Studium in den 1920er Jahren in Karlsruhe und München zwischen der Neuen Sachlichkeit und expressivem Realismus. In den Jahren an der Badischen Landeskunstschule entstehen eine Reihe kleinformatige Zeichnungen und Aquarelle mit Landschaftsdarstellungen aus dem Schwarzwald; nach der Natur gezeichnet, aquarelliert. Sie zeigen einen bereits völlig souveränen Umgang mit dem Medium Farbe und der Technik des Aquarellierens, die ein schnelles und sicheres Arbeiten erfordert. Stilistisch greifen die zum Teil recht starkfarbigen Bilder Traditionen der Karlsruher Landschafterschule auf, die großflächig vereinfachte Gestaltung lassen an den Karlsruher Künstlerbund aus der Zeit um 1900 denken. Auch in unserem zarten Aquarell finden wir Haas-Gerbers kraftvolle Formensprache und ein virtuos moduliertes Kolorit.